Hiroshima Tour: Vom japanischen Mittelalter im Schloss zum A-Bombe Dome

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Wir kamen von Kyoto in nur knapp 1,5 Stunden mit dem schnellen Shinkansen Nozomi Zug nach Hiroshima. Die Fahrt verging wie im Flug und der Zug machte auf dem Weg noch schnell Halt in einigen Millionenstädten.

In Hiroshima verfolgten wir unsere Erfolgsstrategie und suchten gleich eine Touristen Information. Diese war auch gleich ausgeschildert und vor Ort wurden wir mit dem Stadtplan (überall kostenlos in Japan) und der idealen Anreise zum Hotel ausgestattet. Auf unserer ca. 20 Minütigen Wanderung mit dem schweren Marschgepäck fiel uns zum ersten Mal auf, dass Hiroshima von vielen Flüssen durchzogen ist.

Das Hotel fanden wir auf Anhieb. Die Navigation in Japan läuft immer so ab, dass man sich von einem bekannten Punkt aus ansieht auf der Karte nach der wievielten Strasse man abbiegen muss, da man selten Strassennamen findet. Im Hotel unizo angekommen machten wir uns nach dem Kurz-check-in gleich auf den Weg ins Zimmer, das wir über Rakuten Travel gebucht hatten. Leider machte ich mich 2mal umsonst auf den Weg zur Rezeption um ein Kabel für die Lanverbindung zu bekommen, da außer Skype nichts ging und ich auch trotz der großartigen Hilfe von meinem Bürokollegen Michael, der mir kurz aus Innsbruck via Skype half, keinen Browser zum Laufen kriegte. Macht ja nix, das Business Center in der Lobby hatte ja gleich einen ganzen Computer mit Internetzugang für das Wichtigste. Die Gegenmaßnahmen zur Finanzkrise hatte ich in Kyoto schon abgeschlossen und so stand dem Erkunden der Stadt nichts mehr im Wege.

Auf unserem Stadtplan war ein Außgehviertel und ein Shoppingviertel markiert. Da es bereits abends war und wir Hunger hatten, gingen wir gleich zum markierten Bereich und trauten unseren Augen nicht mehr. Mit blinkenden Leuchtreklamen wurden wir empfangen und glaubten im japanischen Las Vegas zu sein. Es herrschte gute Ausgehstimmung bei den Einheimischen von der wir gleich mitgerissen wurden. Ein Restaurant reihte sich an das andere. Dazwischen gab es mal eine Musik Bar oder auch mal eine Art Table Dance.
Wir trauten uns in ein sehr traditionelles japanisches Lokal, in dem man an der Theke sitzt. Wir wurden freudig empfangen und eine Kellnerin sprach auch etwas Englisch. Vom ganzen Küchenpersonal wurden wir frenetisch begrüßt. Man merkt, dass den Japanern die Arbeit einfach Spass macht. Nun wollten wir es wissen und bestellten die Fischplatte (natürlich alles roh und frisch) für 2 Personen. Der rohe Fisch war sehr lecker. Zur Deko legte der Koch noch einen filetierten Fisch aufs Eistableau, damit man seine Künste bewundern konnte. Dazu gab’s japanisches Bier von Sapporo, das auch für Leute aus dem deutschsprachigen Raum sehr bekömmlich schmeckt. Doch irgendwie waren wir noch nicht ganz gesättigt und wir beschlossen die Schlemmerei noch in ein weiteres Lokal zu verlegen.
In einem sehr kleinen Lokal wurden wir fündig und wir zeigten auf der bebilderten Karte, was wir wollten. Als das Essen serviert wurde, schauten uns alle Gäste (nur Japaner) gespannt auf die Finger und waren sichtlich begeistert als wir unsere Stäbchenakrobatik zum Besten gaben. Mit einigen Gesten zeigten Sie uns Ihre Freude, dass auch Europäer mit Stäbchen umgehen können. Auch das halbe Küchenteam kam raus, um sich zu überzeugen.
Nachdem wir die bodenständigen Spezialitäten (Ich hatte Fleischbällchen mit einem Spezialsalz + Reis und Gerlinde eine japanische Reisspezialität mit viel Gemüse Fleisch und Sauce) zog es uns noch in einen Jazzclub. Hier improvisierten vier Musiker am Klavier, Kontrabass, Saxophon und Schlagzeug. Der durchaus virtuose Pianist begeisterte, indem er immer wieder die Themen der Solisten aufgriff und ausklingen ließ. Die anderen waren gut aber sicherlich noch in den Lehrjahren. Die Gäaste im Lokal konnte man an 2 Händen abzählen und mit Mühe bestellten wir 2 Bier. Denn außer Bier und Whiskey konnte der jap. Kellner keine Getränke auf Englisch. Die musikalische Darbietung war eine willkommene Bereicherung. Der Musikbeitrag von ca. 4000 Yen wurde allerdings vorher nicht angekündigt. Aber was soll’s, denn auch bei uns wird bezahlt, wenn man ein Konzert besucht.

Etwas müde vom Tag und der Reise machten wir uns auf den Weg nach Hause und freuten uns auf die Besichtigungen am nächten Tag.

Diese begannen wir mit dem sehr bekannten Hiroshima Castle, das inmitten einer von Wasser umgebenen künstlichen Insel, steht. Das Original samt einiger alter Militäranlagen, die bis in die Neuzeit genutzt wurden, wurden bis auf die Grundmauern beim Atombomenangriff 1945 zuerstört. Erst Ende der 50er Jahre wurde mit Hilfe der Unterlagen in den Stadtarchiven der Turm des Schlosses wieder aufgebaut. Der Turm ist klassisch mit den geschwungenen Dächern aufgebaut und bietet im Inneren eine Austellung zum Feudalwesen in Japan und eine tolle Aussichtsplattform am Dach. Interessanterweise gibt es sehr viel Parallelen zum Feudalsystem in Europa, obwohl diese so weit auseinander entstanden. Von einem „mountain warlord“ namens Mori, wurde Hiroshima als Regierungssitz auserkoren, nachdem dieser große Landstriche am Meer erobert hatte. Die Fläche wurde in Japan immer in durchschnittlichem Reisertrag angegeben, der auf der Fläche erzielt werden kann. Hiroshima, das am Mündungsbereich eines Flusses ins Meer durch den transportierten Sand enststanden war, und 5 kleine Dörfer beherbergte, bekam nun durch Mori und dessen Sohn nicht nur das Schloss, sondern auch eine Stadtstruktur, in der die Viertel nach Handwerkskunst bzw. Dienstleistung angelegt wurden. So gab es beispielsweise das Viertel der Waffenschmiede. Im Burgbereich lebten in kleinen Häusern die Samurai, die nicht nur Kämpfer sondern hauptsächlich Beamte waren. Speziell durch den Handel über das Meer mit anderen Teilen Japans stieg Hiroshima schnell zu einem der Zentren Japans auf. Die Reisbauern hatten entsprechend Ihrer Ernte Reissteuern zu bezahlen, welche durchaus mit dem Zehent vergleichbar sind. Nach dem Mori Clan über nahm Aki und dessen Clan das Ruder in Hiroshima für eine längere und baute den Schlossbereich und die Stadt aus und reformierte die Bürokratie bis zum japanischen Kaiserreich. Nun aber genug der Geschichte.

Tolle mehrere Hundert Jahre alte Samuraischwerter in bestem Zustand können besichtigt werden und auch in einem traditionellen Gewand kann man sich fotografieren lassen. Bei der Besichtigung der Rüstungen fiel auf, wie klein die Samurai gewesen sein müssen J Auch ich steche immer unter Hunderten Japanern wie ein Laternenmast heraus.

Am Dach kann man dann den Rundumblick genießen. Danach gingen wir noch auf der Insel zum dortigen Schrein, der relativ neu aber nichts desto trotz wunderschön gestaltet ist. Eine gläubige Buddhistenfamilie begegnete uns in den traditionellen Gewändern.

Danach ging es zu einem weiteren aber sehr traurigen Meilenstein in der Geschichte der Stadt Hiroshima, dem A-Bomb Dome. Direkt über diesem ehemaligem Gebäude der Präfektur, dass wegen seiner Grünspan-Kuppel bei Touristen und Einheimischen sehr beliebt war explodierte in 600 m Höhe die erste jemals gezündete Atombombe. Diese vernichtete die komplette Innenstadt hiroshimas. Über 200.000 Menschen kamen ums Leben und fast alle Gebäude wurden dem Erdboden gleichgemacht. Nur die Mauern der Präfektur und das Gerüst der Kuppel blieben stehen, da die Kräfte direkt von oben einwirkten. Nach langem Hin und Her in der Stadtregierung entschied man sich, das Gebäude so wie es nach dem Angriff war zu restaurieren und als Mahnmal für die Menschheit so zu erhalten. Obwohl es heutzutage von vielen auch einheimischen Touristen eher wie eine Sehenswürdigkeit gesehen wird, hat man schon ein wenig ungutes Gefühl, wenn man sich diese schrecklichen Momente vorstellt. Geht man weiter über den Fluss findet man noch ein Kinderdenkmal, das nach dem Tod eines 12-jährigen, der 10-Jahre später an Leukämie starb, auf Bitten seiner Schulklasse durch Spenden errichtet wurde. Ein Stück weiter findet man das Denkmal, das an alle Toten dieser Katastrophe erinnert. Alle Namen sind im Inneren verewigt. Mir hat an diesen Orten sehr gut gefallen, wie hier mit diesen Ereignissen umgegangen wird, indem ein Platz des Friedens geschaffen wurde.

Nach den Besichtigungen waren wir hungrig geworden und fanden eine japanische Ausspeisung in Mitten des Shoppingviertels. Das Essen war wie gewohnt sehr gut und günstig. Auch kostenlosen Tee gab’s wie so oft in Japan kostenlos dazu. Als wir unseren Nachbarn über die Schulter schauten, bemerkten wir, dass wir als Einzige offenbar nur die Suppeneinlagen aßen J

In den Shoppingtempeln mussten wir zu unserem Leidwesen feststellen, dass die Elektronik hier auch nicht günstiger ist und konnten nicht einmal die Plastaytion, dafür aber umso mehr MACs finden.

Nach dem anstrengenden Tag ruhten wir uns etwas im Hotel aus und genossen dann noch ein Abendessen in einem Lokal, das alle Speisen um 250 Yen anbietet. Man sucht sich dann auf einer reichlich bebilderten Karte viele kleine Tellerchen aus, die dann nach und nach serviert werden.

Außer der Leber (war auf der Karte nicht erkennbar, und auch besser als zuhause) schmeckte alles vorzüglich und mit etwas Schärfe rutschte auch die Leber runter. Dazu gönnten wir uns noch 2 kleine Bierchen und beschlossen dann den Abend, um morgen wieder ausgeruht nach Hakata / Fukuoa fahren zu können.

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