Radtour in Yangshuo

Am vierten Tag in Yangshuo regnete es morgens nicht und der Himmel sah auch so aus, als könnte es so bleiben. Die Temperatur war sehr angenehm bei ca. 20 Grad, deshalb liehen wir uns beim Nachbarn vom Li River Retreat Mountainbikes aus.
Mit Kompass und Karte bewaffnet machten wir uns auf den Weg in Richtung Moon Hill, der angeblich die größte Attraktion in der Gegend sein sollte. Die Straßenkarte war etwas ungenau, aber mittels Kompass und mit Glück kamen wir trotzdem auf die richtige Straße. Wir lernten dabei hautnah die chinesische Fahrweise kennen, die sich von der österreichischen sehr unterscheidet – man fährt einfach drauf los, bremst nur, wenn es unbedingt nötig ist, gehupt wird eigentlich immer. Ampeln und Verkehrszeichen sind nur Richtwerte, an die man sich nicht immer halten muss, auch über Zebrastreifen wird einfach drübergefahren, egal ob da grad Menschen sind oder nicht. Aber: Unfälle haben wir bis jetzt nicht gesehen, denn jeder schaut trotzdem auf den anderen. Wir haben uns zum Teil vorsichtshalber an einheimische Radfahrer gehalten, es genauso gemacht und sind sicher über einen großen Kreisverkehr gekommen.
Am Weg kamen wir beim Butterfly Spring vorbei, wo wir stehen blieben und eine Führung mitmachten. Es ging mit einer Höhle los, die sehr unecht wirkte, es ist alles mit Putz und Farbe bearbeitet. Ich war mir nicht sicher, ob aus einem Loch nicht einfach eine Touristenattraktion gemacht wurde. Aus der Höhle führte eine Hängebrücke zu einem anderen Karsthügel, den wir dann bestiegen und über einige Aussichtspunkte geführt wurden. Wieder unten angekommen, ging es in einen Schmetterlingsgarten, der von einem Netz umgeben war. Die Schmetterlinge dort sind sehr schön und ziemlich groß. Gerald versuchte eine Zeit lang, verschiedene Arten zu fotografieren aber leider sind die meisten kamerascheu.
Nach der Besichtigung fuhren wir weiter und kamen etwa zehn Minuten später bei den Banyan Trees vorbei. Da wir zuvor aber lasen, dass an diesen Bäumen Tiere, wie zum Beispiel Bären, als Attraktion angebunden werden und wir solche Maßnahmen nicht unterstützen, besichtigten wir diese nicht.
Nach etwa einer viertel Stunde Fahrt erreichten wir den Moon Hill. Das ist ein Karsthügel mit einem Loch, das an den Mond erinnert. Wir bezahlten den Eintritt von 15 RMB pro Person und gingen dann ca. eine dreiviertel Stunde die Stufen bis zum Loch hinauf. Mittendrunter fing es wieder an zu regnen, aber wir waren vorbereitet und hatten unsere Regenjacken mit. Oben saßen wir dann durch den Berg geschützt vom Regen auf der Aussichtsplattform und bestaunten die wunderschöne Aussicht. Wir hätten auch ganz hinauf auf den Berg gehen können, aber es war durch den vielen Regen sehr gatschig und rutschig, das wollten wir nicht riskieren. Also ging es nach einiger Zeit und Diskussion mit einer Einheimischen um Wasserverkauf, wieder Bergab. Während wir unter einem Baum darauf warteten, dass der Regen weniger wird, genehmigten wir uns ein gemeinsames Bier, dass wir zuvor einer Frau mit Kühlbox abgekauft hatten.
Wieder auf den Rädern und ein paar Kilometer später, bogen wir, wie es auf der Karte eingezeichnet war, rechts ab und kamen auf eine Schotterstraße mit sehr vielen randvoll mit Wasser gefüllten Schlaglöchern. Um sicher zu gehen fragte Gerald nach, ob wir die richtige Straße erwischt hatten. Wir fuhren weiter und wurden dabei mehrfach von Motorrädern, Bussen und LKWs überholt, die sich nichts dabei dachten, dass sie uns zum Teil von oben bis unten mit dreckigem Wasser anspritzten. Uns war es aber eigentlich schon egal, denn mittlerweile hatte es wieder einmal zu schütten begonnen und wir waren sowieso schon sehr nass. Außerdem waren wir von der wunderschönen Landschaft abgelenkt. Wir sahen Reisfelder die zum Teil schon abgeerntet waren und auf denen das Stroh auf eine eigene Art zusammengebunden auf den Feldern lag. Immer wieder waren auch Büffel mit ihren Kälbern auf den Feldern, die von ihren Besitzern bewacht wurden, auch Enten und Gänse tummelten sich im Wasser. Manchmal fuhren wir durch ein Dorf, wo immer wieder Kinder aus den Häusern rannten und uns „hello“ zu riefen. Das Fahren an sich auf der Schotterstraße war nicht so einfach. Ich bin froh, dass wir so gute Räder hatten, die fuhren sich wirklich gut und hatten auch sehr gute Reifen. So kamen wir nie ins Rutschen und konnten den meisten Schlaglöchern ausweichen.
Ungefähr um 17 Uhr kamen wir in ein Dorf, in dem gerade ein Markt war. Wir blieben stehen, um unsere Wasservorräte aufzufüllen und etwas zu essen zu besorgen. Bei der Gelegenheit fragten wir nach, wie weit es noch bis Yuangshuo war. Es waren noch 22 km. Zum Glück blieb direkt neben uns ein Bus stehen, mit dem wir mitfahren konnten. Für insgesamt 40 RMB durften wir einsteigen, auch unsere Räder wurden in den Bus gehoben. Im nächsten Dorf mussten wir umsteigen. Das wurde aber von unserem ersten Buschauffeur organisiert, der uns den richtigen Bus zeigte. Auch dort wurden die Räder wieder mit in die Kabine genommen und wieder kostete uns die Fahrt 40 RMB. Ungefähr eine Stunde später erreichten wir Yangshuo und fuhren die letzten zwei km ziemlich verdreckt und hungrig zu unserer Unterkunft, dem Li River Retreat.



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